Die Literaturtipps für Oktober

Unverhoffte neue Werke, Veranstaltungen im Rahmen des Festivals «Zürich liest» und die Nominierten des Schweizer Buchpreises prägen den Oktober.

Die Geschichten in uns

Eigentlich wollte er ja gar kein Buch mehr schreiben. Nach seinem letzten Roman «Hardland» hatte Bestsellerautor und Publikumsliebling Benedict Wells bekannt gegeben, eine Auszeit nehmen zu wollen. Mal andere Dinge tun, zum Beispiel Studieren. 

Und dann hat das Schreiben doch wieder von hinten an die Türe geklopft. Entstanden ist sein vielleicht persönlichstes Buch, in dem er die Entstehungsprozesse seiner Romane wie «Vom Ende der Einsamkeit» oder «Spinner» nachzeichnet. Ein Glücksfall für alle, die nicht nur seine Bücher lieben, sondern überhaupt Bücher und Geschichten. Die in uns und die in anderen. Wells verrät, warum einen das Schreiben bisweilen schier zur Verzweiflung treiben kann und doch grösstes Glück beinhaltet, wie er an seinen Figuren feilt. 

All das und mehr, begleitet von Klängen des Musikers Jacob Brass. 

 

Eine Stadt liest

Herbstbeginn ist, wenn «Zürich liest» ist. Auch dieses Jahr ist die Woche vom 22. - 27. Oktober eine bunte Wundertüte randvoll mit Neuentdeckungen, Bewährten und berührenden Lesemomenten in gemeinsam gefüllten Sälen zum Festivalthema: «Mutters Sprache»

Im Debatierhaus «Karl der Grosse» in der Altstadt laufen alle Fäden zusammen. Dort lässt es sich nicht nur wunderbar bei Cappuccino und Kuchen das tägliche Festivalprogramm studieren, sondern auch nach den Lesungen die Bücher signieren. Oder eine Kleinigkeit zu Abendessen, wobei bestimmt die einen oder anderen Schreibenden auf dem Weg an eine der zahlreichen Lesungen gesichtet werden. Etwa Martina Clavadetscher, Yanara Friedlands oder Evelina Jecker. Natürlich gibt es aber auch Veranstaltungen in der ganzen Stadt und auch gleich ein paar Häuser weiter im Kulturhaus Helferei bei den «Küchengesprächen»

Programm studieren lohnt sich!

Eröffnung von «Zürich liest» mit Ralph Tharayil

Zürich liest

Eröffnung von «Zürich liest» mit Ralph Tharayil

«Zürich liest» wird auch dieses Jahr feierlich eröffnet mit einer Rede aus dem Erkerfenster im Karl der Grosse hinaus auf den Grossmünsterplatz.

Stationen einer Sehnsucht

Das kurze Leben der Schweizer Autorin Annemarie Schwarzenbach ist geprägt durch abenteuerliche Reisen in alle Welt. Durch leidenschaftlichen Erkenntnisdrang und rückhaltlose Liebe zu anderen Frauen. Die Umstände ihrer Zeit erfasste sie intensiv, sensibel und klug. Und so schrieb sie an gegen den Faschismus in Europa, aber auch die eigenen Traurigkeiten und Sehnsüchte. 

Für dieses Porträt hat die Autorin Vera Bauer hunderte von unveröffentlichten Briefen aus dem Nachlass recherchiert. In Zusammenarbeit mit der Komponistin Jelena Goldzycher schafft sie einen neuen, vertieften Zugang zum Leben und Werk der aussergewöhnlichen Autorin, das über seine Zeit hinaus weist. 

Aus organisatorischen Gründen: Bitte um Anmeldung bis 21. Oktober 2024.

 

ANNEMARIE SCHWARZENBACH

Paulus Akademie

ANNEMARIE SCHWARZENBACH

Stationen einer Sehnsucht.

Lesung der Nominierten

Sich einmal durch das Schweizer Buchjahr hören oder anders gesagt: Die Werke, welche die Jury des Schweizer Buchpreises dieses Jahr auserkoren hat. Da wäre Michelle Steinbecks atemberaubende «Favorita», Zora de Buenos «Seinetwegen», das zeitgleich auch noch für den Deutschen Buchpreis nominiert ist, Mariann Bühlers «Veschiebung im Gestein», Martin R. Deans «Tabak und Schokolade», sowie «Polifon Pervers» von Béla Rothenbühler. 

«Die nominierten Bücher verbindet bei aller Unterschiedlichkeit die Suche nach einer neuen Sprache für existenzielle Krisen», begründet die Jury. Die thematische Breite reiche von zutiefst Persönlichen bis zu patriarchaler Gewalt und kolonialem Erbe. Die Suche nach Herkunft, die Erforschung der eigenen Familiengeschichte und die Frage, welchen Einfluss das Leben der Vorfahren auf uns selbst hat.

Von Seraina Kobler am 03. Oktober 2024 veröffentlicht.

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